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Interview-Reihe „Digitale Kompetenz am Bau“: 3D-Betondruck

Wie digital ist das Baugewerbe? Diese Frage beantworten die bayerischen Bauunternehmer in der Interview-Reihe „Digitale Kompetenz am Bau“ selbst. Sie zeigen, dass die digitale Baupraxis so vielfältig ist wie das Bauhandwerk an sich!

Das erste Mehrfamilienhaus Europas aus dem 3D-Drucker

Die Firma Michael Rupp Bauunternehmung GmbH, Mitgliedsbetrieb der Bauinnung Neu-Ulm, baut in Weißenhorn das erste Mehrfamilienhaus Europas im 3D-Betondruckverfahren in enger Kooperation mit dem Schalungs- und Gerüstsystem-Anbieter Peri. Wir haben mit Fabian Rupp, Geschäftsführer Michael Rupp Bauunternehmung GmbH, und Dr. Fabian Meyer-Brötz, Leiter der Abteilung 3D Construction Printing bei Peri, auf der innovativen Baustelle ein Interview geführt.

Herr Rupp, sehen Sie die Zukunft Ihres Baubetriebs im 3D-Betondruck?

Fabian Rupp: Wir arbeiten seit eineinhalb Jahren mit der Firma Peri zusammen und haben die Details ausgearbeitet, geplant und in der Halle bereits gedruckt. Mit verschiedenen Gewerken haben wir nach Detaillösungen gesucht und in der intensiven Zusammenarbeit ist uns klar geworden, dass diese Technologie wirklich Zukunft hat und wir wollen uns da hineinknien. Wir haben uns bereits einen Wissensvorsprung erarbeitet und gründen nun eine eigene Sparte: die Rupp Gebäudetechnik. Damit wollen wir der erste Komplettanbieter für schlüsselfertige, gedruckte 3D-Häuser werden. 

Herr Meyer-Brötz, welche Rolle will Peri zukünftig im Geschäftsfeld des „3D-Druck“ einnehmen?

Dr. Fabian Meyer-Brötz: Wir blieben auch zukünftig Zulieferer für unsere Kunden, die Bauunternehmer. Wie man es von Peri kennt, bieten wir immer Lösungen an – also ein Gesamtpaket aus Technologieführerschaft, Service, Training, Planung und Baugenehmigung. 

Herr Rupp, welche Zeitersparnis bringt das 3D-Druck-Verfahren?

Fabian Rupp: So viel können wir schon sagen: Wir haben hier eine Geschosswohnfläche von circa 160 m2 und je Geschoss zwei Wohneinheiten. Pro Geschoss haben wir eine reine Druckzeit von rund 25 Stunden mit zwei bis drei Fachkräften verzeichnet. 

Stichwort Fachkräfte: Herr Rupp, wie aufwendig war die Schulung Ihrer Mitarbeiter und werden sich die Berufsbilder am Bau verändern?

Fabian Rupp: Unsere Maurer konnten wir in wenigen Tagen so schulen, dass sie den Drucker bedienen können. Wir sehen daher, dass wir mit dem Berufsbild Maurer weiterhin diese 3D-Druck-Technologie voranbringen können. Zukünftig möchten wir zusätzliche Ausbildungsmaßnahmen vielleicht schon in der Berufsschule anbieten. Ich glaube, dass wir so die Möglichkeit haben, das Berufsfeld Maurer attraktiver zu gestalten. Wir sind ein junges Team und möchten auch in Zukunft innovativ arbeiten. Wir sind jetzt schon dabei, das Thema Digitalisierung konkret auf der Baustelle anzuwenden, indem etwa die Vorarbeiter und Poliere mit Tablets ausgerüstet immer den neuesten Planstand vorliegen haben. Diese Pläne werden in ein 3D-Modell umgesetzt, in den Drucker eingespielt und nach wenigen Sekunden kann der Drucker loslegen. 

Wie viele 3D-Betondrucker wird es am Ende des Jahrzehnts in Bayern geben?

Dr. Fabian Meyer-Brötz: Schon ein paar Hundert! Ich denke, es ist eine disruptive Technologie, da wird sich sehr viel tun, aber wie man es auch von anderen digitalen Technologien kennt, geht es erst langsam und dann exponentiell. 
Fabian Rupp: Im Augenblick stecken wir noch in den Kinderschuhen, aber wir benötigen nicht mehr viel Zeit, um massentauglich zu werden!

Vielen Dank für das Gespräch!

Das komplette Interview können Sie demnächst in unserer BLICKPUNKT BAU-Ausgabe 1/2021 nachlesen sowie im Video-Interview ansehen. 

Hier geht's zum Video-Interview: